Kommentar eines Zuschauers Schreibatelier Babbel Wirrnis Wortmelange KX 14. November 2001 Betrachtung eines Zuschauers zur Lesung/ Performance der Ergebnisse: Der Turmbau zu Babel gilt als der kulturhistorische Ursprung von Vielsprachigkeit und hat eine Reihe religiöser, sozialer, philosophischer und gesellschaftspolitischer Auslegungen erfahren. Grund genug für die Künstler Kerstin Hof und Peter Wassmer, in Anlehnung an den Mythos einen interaktiven Turm auf der Piazza von Kampnagel zu installieren, der aus einer riesigen Wortbaustein-Sammlung erwuchs, und im darauffolgenden Schreibatelier mit allen Interessierten die Geschichte vom Auseinanderfallen der Kulturen und Sprachen konstruktiv umzuschreiben. Was als Lesung eines Schreibateliers angekündigt war und zur 90 min Performance geriet, wurde für den Zuschauer zur spontanen und interaktiven Entdeckungsreise durch verschiedene Epochen, Kulturen, Sprachen. Der Turmbau zu Babel und seine modernen Implikationen /Assoziationen inspirierten interkulturell orientierte KünstlerInnen/ TeilnehmerInnen aus den Bereichen Sprache, Musik, Mode, Tanz, Theater zu vielfältigen Darbietungen ihrer individuellen Perspektiven. Die Interaktion der Teilnehmer mit dem Publikum in allen verfügbaren Sprachen gestaltete sich als integrativ und kommunikativ: ein Wort gab gewissermaßen das andere. Die zum Ausdruck kommende Mehrsprachigkeit der jeweiligen Projekte faszinierte den Betrachter gerade dadurch, dass nicht alles unmittelbar über den jeweiligen Wortgebrauch verständlich wurde, sondern über die künstlerische Darstellung und Gestaltung des Gesagten. (Symbolische Kraft der Wörter jenseits ihrer konkreten Bedeutung) So wurden fremde und vertraute Sprachen in den Zusammenhang einer mehrdimensionalen/ über Worte hinausgehenden Kommunikation gestellt, die dem Betrachter eine ungewohnte Blickrichtung auf die eigene und die anderen Kulturen vermittelte. Die nebeneinander und nacheinander vorgestellten, in Alltags- und Kunstsprache ''verpackten'' Werke führten gerade nicht zur sprichwörtlichen babylonischen Verwirrung der Zuschauer, sondern zu einer anregenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Sprachgebrauch, mit der Wahrnehmung fremder Sprachen via Klang, Mimik, Gestik und Bildhaftigkeit. Durch die künstlerische Umsetzung des Themas wurden die übergreifenden Gemeinsamkeiten deutlich, über die sich verschiedene Kulturen immer wieder verständigen können, auch wenn sie mit ihrem eigenen ''Latein'' mal wieder am Ende sein sollten.

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