Kommentar Projetkleiterin Babbel - Wirrniss - Wortmelange Am 14. November 2002 kamen Menschen verschiedener Nationalitäten auf Kampnagel/Hamburg zusammen, um sich einen Tag lang wort-künstlerisch mit der Geschichte des Turmbaus zu Babel auseinander zu setzen. Vor dem Hintergrund sehr verschiedener kultureller Sozialisationen Entstanden sehr unterschiedliche und ausdrucksstarke Arbeiten: Gedichte, Installationen, Lieder, Reden, visuelle und konkrete Poesie, die in einer gemeinsamen Abschluß-Performance am Abend eindrucksvoll präsentiert wurden. Die Teilnehmenden arbeiten als Musiker, Schauspieler/innen, Choreografin/Dramaturgin, Mode-Designerin, Kulturmanagerin, Werbe-Texter und Schriftstellerinnen und entwarfen im Laufe des Tages ihre ganz individuelle Interpretation zum Thema Babylon/Turmbau zu Babel. Nach dem Vorbild der Arbeit der ungarischen Schriftstellerin Anne Tordas/Schule für Dichtung/Wien (www.sfd.at) bot der Workshop Raum für einen experimentellen Umgang mit Sprache/n, d.h. in einem Text begegnen sich mehrere verschiedene Sprachen in ihrer Semantik, ihrem Klang und Ausdruck. In den Workshop flossen über das konzeptionell integrierte WordTradeCenter-Projekt auch Quelltexte (Bibel u.a.), Sekundär- und journalistische Literatur, verschiedensprachige Lyrik sowie Erfahrungen, Empfindungen und Reflektion zum Thema und den Geschehnissen am 11. September 2001 mit ein. Ein Beitrag, der als Rede im aristotelischen Stile entworfen worden war, stellte das Attentat auf das World-Trade-Center kulturhistorisch in den Zusammenhang mit dem Angriff auf den Turm von Alexandria/Griechenland. Dieser Beitrag - wie auch alle anderen - schenkte allen Beteiligten und Zuhörenden einen Blick auf die gemeinsame Kultur- und Menschheitsgeschichte und bot eine Transformationsebene zur Bewältigung des aktuellen Schreckens und der Sorge um die Eskalation eines "Kampfes der Kulturen" als eine mögliche Folge aus den Geschehnissen seit dem 11. September 2001. Ich möchte auch die Arbeit einer südamerikanischen Choreografin hervorheben, die in ihrer Arbeit muttersprachliche Sequenzen und südamerikanische Rituale mit deutschem Wortmaterial zu einer Sprech- und Bewegungsperformance verwob. An ihrer Arbeit wurde besonders deutlich, das die elementaren menschlichen Themen: Tod - Leben - Lebensweg - Liebe d i e interkulturelle, grenzüberschreitende Begegnungs- und Verständigungsfläche über das Wort/die Sprache hinaus sind. Die Arbeit eines deutschen Werbetexters und einer deutschen Kulturmanagerin gelang zu einer Expedition und Spurensicherung in einem der Wohntürme in den Mundsburg-Hochhäusern. Sie suchten und fanden interkulturelle Lebens-Geschichten der dort Wohnenden und frequentierenden Menschen. Neben der sehr harmonischen und inspirierenden Arbeit im Miteinander entstanden immer wieder Kooperationen und ein intensiver Austausch der Beteiligten über die kultur- und religionshistorische Ursprungsgeschichte des Turmbaus zu Babel und deren Bedeutung, Auslegung und Aktualität in gerade der heutigen Situation. So wurde die Abschlußpräsentation der einzelnen Arbeit zu einer alle miteinander verbindenden gemeinsamen künstlerischen Arbeit entwickelt - einer interkulturellen Gestalt. Mein besonderer Dank geht an dieser Stelle noch einmal an die südamerikanische Choreografin Sara Dominguez und Maren Fuhrmann/KX.

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